Portrait Alp Dejen / Martin Heiz
Steil fallen die Flanken ab zum Klöntalersee in dessen Mitte der Aufstieg zur Dejenalp beginnt. Martin Heiz aus Glarus bewirtschaftet 2024 erstmals die Gemeindealp und holte sich gleich den Kategoriensieg Glarner Alpkäse bei den Swiss Cheese Awards.
Wenn der Alpsommer beginnt weiden die Tiere zunächst einige Tage am Unterstafel Unter Herberig, ziehen dann weiter zur Ober Herberig, von Martin auch der «Mittlere» genannt, dann Lochstafel bevor es nach Dejen und Schijen geht. Ist der Blick auf den Klöntalersee zunächst noch offen, schliesst sich die Dejenalp oben in einem langen von Felswänden gesäumten Tal. Vom Tal aus kaum vorstellbar, welche Weiten zwischen Mättlistock und Schijen, zwischen den Alpen Längenegg und Aueren liegen. Von 850 Meter auf 2200 Meter über Meer zieht der Glarner Martin Heiz mit seinen 35 Milchkühen, 50 Rindern und zehn Mutterkühe.
Der gelernte Metzger und Landwirt bewirtschaftet die 120 ha umfassende Alp erst den zweiten Sommer aber verbuchte bereits in seinem ersten Alpsommer einen grossen Erfolg. «Als im Herbst der Anruf mit der Gratulation zum Sieg beim Swiss Cheese Award kam, war ich total überrascht», blickt Martin bescheiden zurück. Als Lieferant der Glarona Käsegenossenschaft wurde sein Käse dort für den nationalen Wettbewerb ausgewählt und ging schliesslich als Sieger in der Kategorie Glarner Alpkäse hervor. Das Käsereihandwerk hat sich Martin selbst, beziehungsweise beim über die Schulter schauen bei einem befreundeten Alpkäser, angeeignet und letzten Sommer zum ersten Mal in seinem Leben Alpkäse hergestellt.
Ein mutiger Schritt
Martin ist überzeugter Melker und Käser. Die Vorstellung der Bewirtschaftung einer Alp wuchs bei ihm schon früh obwohl er keine Berührungspunkte mit der Alpwirtschaft hatte. Auch die Milchwirtschaft auf dem elterlichen Betrieb ist bereits vor einigen Jahren der Mutterkuhhaltung gewichen, was den 23-Jährigen nie davon abbrachte, in der Arbeit mit Milchvieh seine Erfüllung zu sehen. Ohne jegliche Erfahrung, sei es in Bezug auf die örtlichen Gegebenheiten noch die Alpwirtschaft im Allgemeinen, eine Alp dieser Grössenordnung zu übernehmen kann durchaus als mutiger Schritt betrachtet werden. «Schon im zweiten Sommer kann ich auf vieles gelassener blicken», so der Käser, der mit der Unterstützung seiner Partnerin Ronja Luchsinger und einer Angestellten die Arbeiten abdeckt. Wertvoll ist auch die geschätzte Mithilfe der Eltern, seiner Schwester und den drei Brüdern. «Im Frühsommer liefern wir die Milch in die Molkerei nach Netstal, dafür konnte ich für diesen Sommer einen Milchtransporteur gewinnen, sobald wir auf dem Stafel Dejen sind wird sie verkäst. Dann wäre auch die Unterstützung einer weiteren Arbeitskraft willkommen». Zuoberst, auf Schijen, steht ein moderner Melkstand von welchem mittels Pipeline, wie auch vom Mittleren, die frische Alpmilch zum darunter gelegenen Stafel fliesst.
Das sein Vorgänger die Alp mit einem Weg erschlossen hat schätzt der junge Älpler sehr. Mit Quad, Off-Road Fahrzeugen oder einem Transporter sind nun Lebensmittel, Käse oder Schweinetransporte zum Dejenstafel über die Nachbarsalpen Ober- und Unterlängenegg machbar.
Drei Tonnen Alpkäse
Rund drei Tonnen Dejen-Alpkäse stellt Martin mit seinem Team her, daneben wird auch um die 300 Kilo Alpbutter produziert. Der beherzte Älpler geniesst den guten Kontakt zu den Nachbarsalpen wo auch mal zusammen Schweine gezügelt werden oder ein abendliches Feierabendbier genossen wird.
Die Weiden sind weitläufig, das Gebiet ist gross – eine der Erkenntnisse nach dem ersten Alpsommer, wo Martin sich ins kalte Wasser warf; «Mit Zäunen möchte ich früher dran sein damit die nächsten Stafel frühzeitig bereit sind und flexibler gezügelt werden kann». Denn an den Herausforderungen, auch in Bezug auf das Wetter im Alpsommer 2024 konnte Martin wachsen und sieht nun Möglichkeiten und Chancen, sein Weidemanagement wo nötig anzupassen.
Und obwohl Martin in seinem ersten Alpsommer auch mal zweifelte; die Resultate seines Schaffens lassen den überzeugten Jungälpler spüren, dass die mutige Entscheidung eine Alp zu übernehmen die richtige war.
Text und Bild: Barbara Bäuerle-Rhyner, Elm